Kniearthrose Grad 4 — Behandlungsmöglichkeiten im Überblick 2026

Kniearthrose Grad 4 stellt das fortgeschrittenste Stadium dieser degenerativen Gelenkerkrankung dar und geht mit erheblichen Einschränkungen im Alltag einher. Der Knorpel ist in diesem Stadium nahezu vollständig abgebaut, sodass Knochen auf Knochen reibt. Betroffene leiden unter starken Schmerzen, Bewegungseinschränkungen und einer deutlich verminderten Lebensqualität. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Überblick über die charakteristischen Merkmale der Kniearthrose Grad 4 sowie über aktuelle konservative und operative Behandlungsansätze, die 2025 zur Verfügung stehen.

Kniearthrose Grad 4 — Behandlungsmöglichkeiten im Überblick 2026

Kniearthrose Grad 4 gilt als weit fortgeschrittene Gelenkerkrankung, bei der der Knorpel großflächig zerstört ist und Knochen auf Knochen reibt. Betroffene erleben häufig Schmerzen in Ruhe, Schwellungen, Instabilität und einen deutlichen Funktionsverlust. Auch wenn die Endoprothese für viele Patientinnen und Patienten am Ende der Behandlungskette steht, lohnt es sich, die gesamte Bandbreite an Therapiebausteinen zu kennen, um Beschwerden zu lindern, Aktivität zu erhalten und den richtigen Zeitpunkt für einen Eingriff fundiert abzuwägen.

Dieser Artikel ist ausschließlich zu Informationszwecken bestimmt und stellt keine medizinische Beratung dar. Bitte wenden Sie sich für eine persönliche Beratung und Behandlung an eine qualifizierte medizinische Fachkraft.

Was kennzeichnet Grad 4 der Kniearthrose?

Bei Grad 4 liegt in der Regel ein vollständiger Knorpelverlust in einem oder mehreren Gelenkabschnitten vor. Typisch sind deutliche Gelenkspaltverschmälerung, osteophytäre Anbauten, subchondrale Sklerosierung und häufig Achsabweichungen (O-Bein oder X-Bein). Klinisch zeigen sich anhaltende Schmerzen, morgendliche Steifigkeit, Belastungsintoleranz, Krepitationen und ein reduzierter Bewegungsumfang. Röntgenaufnahmen genügen meist zur Diagnose; MRT wird gezielt eingesetzt, etwa zur OP-Planung. Wichtig ist auch die Beurteilung von Begleitfaktoren wie Muskelkraft, Übergewicht, Stoffwechsel, Schlaf und psychische Belastung, da diese den Schmerzverlauf beeinflussen.

Arthrosebehandlung am Knie: Was hilft wirklich?

Konservative Maßnahmen bleiben auch bei Kniearthrose Grad 4 relevant, um Schmerzen zu senken und die Funktion zu stabilisieren. Dazu zählen Aufklärung, gelenkfreundliche Alltagsstrategien und regelmäßiges Training mit Fokus auf Kraft (Quadrizeps, Hüftmuskulatur), Ausdauer und Beweglichkeit. Gewichtsreduktion kann bei Übergewicht die Kniebelastung deutlich reduzieren. Orthesen (z. B. Entlastungsorthesen bei einseitiger Arthrose) und Gehstützen unterstützen im Alltag. Medikamentös werden vorrangig topische NSAR eingesetzt; orale NSAR können wirksam sein, erfordern jedoch eine Nutzen-Risiko-Abwägung (Magen, Herz-Kreislauf, Niere). Paracetamol wirkt oft schwach. Duloxetin kann bei chronischem Schmerzsyndrom erwogen werden. Opioide werden wegen begrenzten Nutzens und Risiken nur zurückhaltend genutzt.

Neues Medikament gegen Arthrose in Deutschland?

Stand Anfang 2026 gibt es in Deutschland kein zugelassenes krankheitsmodifizierendes Medikament, das den Verlauf der Kniearthrose nachweislich verlangsamt oder Knorpel regeneriert. Intraartikuläre Kortikosteroid-Injektionen können kurzfristig Schmerzen lindern, sind jedoch nicht zur dauerhaften Wiederholung gedacht. Hyaluronsäure zeigt uneinheitliche Wirksamkeit und wird unterschiedlich empfohlen; die Kostenübernahme variiert. Thrombozytenreiches Plasma (PRP) wird eingesetzt, die Evidenz ist insgesamt heterogen und bei Grad 4 häufig begrenzt. Wirkstoffe wie anti-NGF-Antikörper oder wachstumsfaktorbasierte Ansätze wurden untersucht, sind jedoch in Deutschland nicht regulär zugelassen. Neue Therapien befinden sich in Studien; Entscheidungen sollten individuell und leitlinienorientiert getroffen werden.

Operative Optionen am Kniegelenk

Wenn konservative Maßnahmen nicht mehr ausreichend wirken und die Lebensqualität stark eingeschränkt ist, kommen operative Verfahren in Betracht. Die totale Knieendoprothese (TKA) ist bei ausgedehnter, mehrkompartimentaler Arthrose der Standard. Bei auf ein Kompartiment begrenzter Arthrose und stabilen Bändern kann eine unikompartimentelle Prothese (UKA) Vorteile bieten, etwa ein natürlicheres Bewegungsgefühl. Korrekturosteotomien sind bei ausgeprägter Achsfehlstellung und noch erhaltener Restgelenkfunktion in ausgewählten Fällen möglich, bei Grad 4 jedoch seltener sinnvoll. Arthroskopische Eingriffe haben bei Arthrose allein keinen gesicherten Nutzen und sind eher Ausnahmen (z. B. bei mechanischer Blockade). Eine sorgfältige OP-Planung, Prähabilitation und strukturierte Rehabilitation beeinflussen das Ergebnis wesentlich.

Langfristige Perspektiven und Lebensqualität

Nach Knieendoprothese berichten viele Betroffene über deutliche Schmerzreduktion und Funktionsgewinn. Die meisten kehren zu Alltagsaktivitäten und moderaten Sportarten wie Radfahren, Schwimmen oder Wandern zurück. Implantate erreichen in großen Kollektiven oft hohe Standzeiten über 10 Jahre; individuelle Faktoren wie Alter, Aktivitätsniveau, Achsverhältnisse, Gewicht und Begleiterkrankungen beeinflussen die Haltbarkeit. Auch ohne Operation bleibt ein multimodales Konzept wichtig: regelmäßiges, angepasstes Training, Gewichtsmanagement, schmerzsensible Alltagsgestaltung und der Umgang mit Schlaf und Stimmung. Realistische Ziele, ein verlässlicher Therapieplan und engmaschige ärztliche Begleitung helfen, die Lebensqualität trotz fortgeschrittener Arthrose langfristig zu stabilisieren.

Fazit

Kniearthrose Grad 4 erfordert eine nüchterne Abwägung zwischen konservativen und operativen Optionen. Bewegungstherapie, Gewichtsreduktion und gezielte Schmerzbehandlung bleiben Grundpfeiler, während Injektionstherapien eine zeitlich begrenzte Linderung bieten können. Bei anhaltend hohen Beschwerden liefert die Endoprothetik in vielen Fällen die verlässlichste Verbesserung von Schmerz und Funktion. Entscheidungen sollten individuell, leitlinienorientiert und unter Berücksichtigung persönlicher Ziele getroffen werden.