Hochtemperatur-Wärmepumpe: Die Einfache Lösung Für Einen Altbau Ohne Dämmung

Die Modernisierung eines Altbaus stellt Hausbesitzer vor besondere Herausforderungen. Vor allem bei älteren Gebäuden ohne moderne Dämmung scheint effizientes Heizen kaum möglich. Doch mit Hochtemperatur-Wärmepumpen könnte eine Lösung näher sein, als viele denken.

Hochtemperatur-Wärmepumpe: Die Einfache Lösung Für Einen Altbau Ohne Dämmung Image by Alina Kuptsova from Pixabay

Altbauten stellen besondere Herausforderungen an moderne Heizsysteme. Während gut gedämmte Neubauten problemlos mit Niedertemperatur-Wärmepumpen beheizt werden können, benötigen ältere Gebäude mit klassischen Heizkörpern deutlich höhere Vorlauftemperaturen. Genau hier kommen Hochtemperatur-Wärmepumpen ins Spiel. Sie ermöglichen den Umstieg auf umweltfreundliche Heiztechnik, ohne dass eine umfassende energetische Sanierung des Gebäudes erforderlich ist. Dies macht sie zur idealen Lösung für historische Gebäude oder Altbauten, bei denen eine nachträgliche Dämmung schwierig, kostspielig oder aus Denkmalschutzgründen nicht möglich ist.

Was ist eine Hochtemperatur-Wärmepumpe?

Eine Hochtemperatur-Wärmepumpe ist eine spezielle Variante der klassischen Wärmepumpe, die für den Einsatz in Gebäuden mit höherem Temperaturbedarf konzipiert wurde. Im Gegensatz zu Standard-Wärmepumpen, die typischerweise Vorlauftemperaturen von 35 bis 55°C erreichen, können Hochtemperatur-Modelle Temperaturen von bis zu 75°C erzeugen. Dies macht sie kompatibel mit herkömmlichen Heizkörpersystemen, wie sie in den meisten Altbauten zu finden sind. Der entscheidende Vorteil: Die vorhandene Heizungsinfrastruktur kann weitgehend beibehalten werden, was erhebliche Kosten bei der Umrüstung spart.

Wie funktioniert eine Hochtemperatur-Wärmepumpe?

Das Grundprinzip einer Hochtemperatur-Wärmepumpe entspricht dem herkömmlicher Wärmepumpen: Sie entziehen der Umgebung (Luft, Erdreich oder Grundwasser) Wärmeenergie und heben diese auf ein höheres Temperaturniveau an. Der Unterschied liegt in der technischen Umsetzung. Hochtemperatur-Wärmepumpen arbeiten meist mit einem zweistufigen Verdichtungsprozess oder speziellen Kältemitteln, die höhere Temperaturen ermöglichen. Einige Modelle verwenden auch Kaskadensysteme, bei denen zwei Kältekreisläufe hintereinander geschaltet sind. Der erste Kreislauf hebt die Temperatur auf ein mittleres Niveau an, der zweite bringt sie dann auf die benötigte Hochtemperatur.

Durch diese technischen Lösungen können Hochtemperatur-Wärmepumpen auch bei niedrigen Außentemperaturen effizient arbeiten und die hohen Vorlauftemperaturen erreichen, die für Altbauten mit konventionellen Heizkörpern erforderlich sind.

Warum eignet sich diese Technologie für Altbauten?

Altbauten wurden meist zu einer Zeit errichtet, als energetische Effizienz noch keine große Rolle spielte. Die Außenwände sind oft unzureichend gedämmt, was zu hohen Wärmeverlusten führt. Um diese Verluste auszugleichen und behagliche Raumtemperaturen zu erreichen, benötigen klassische Heizkörper in solchen Gebäuden Vorlauftemperaturen von 60 bis 70°C – deutlich mehr als Standard-Wärmepumpen liefern können.

Eine nachträgliche Dämmung ist zwar theoretisch möglich, aber häufig mit erheblichem Aufwand und hohen Kosten verbunden. Bei denkmalgeschützten Gebäuden kann sie sogar gänzlich ausgeschlossen sein. Hier bietet die Hochtemperatur-Wärmepumpe einen praktikablen Kompromiss: Sie ermöglicht den Umstieg auf eine umweltfreundlichere Heiztechnologie, ohne dass umfangreiche bauliche Veränderungen nötig sind.

Zudem lassen sich Hochtemperatur-Wärmepumpen gut mit dem bestehenden Heizsystem kombinieren. Die vorhandenen Heizkörper können weitergenutzt werden, was die Investitionskosten deutlich reduziert. Auch eine schrittweise energetische Sanierung des Gebäudes ist möglich, wobei die Wärmepumpe mit jeder Verbesserung der Dämmung effizienter arbeitet.

Anbietervergleich und Kostenübersicht

Auf dem Markt sind verschiedene Hersteller mit unterschiedlichen Hochtemperatur-Wärmepumpen-Modellen vertreten. Die Anschaffungskosten variieren je nach Leistung, Effizienz und zusätzlichen Funktionen erheblich.

Hersteller Modell Leistungsbereich Max. Vorlauftemperatur Preisspanne
Viessmann Vitocal 350-A 10-18 kW 65°C 15.000-20.000 €
Daikin Altherma 3 H HT 14-18 kW 70°C 14.000-18.000 €
Vaillant aroTHERM plus 12-15 kW 75°C 13.000-17.000 €
Stiebel Eltron WPL 25 A(S) 13-14 kW 65°C 16.000-19.000 €
Ochsner GMLW HT 15-65 kW 75°C 18.000-25.000 €

Preise, rates, oder Kostenangaben in diesem Artikel basieren auf den aktuell verfügbaren Informationen, können sich jedoch im Laufe der Zeit ändern. Unabhängige Recherchen werden vor finanziellen Entscheidungen empfohlen.

Zu beachten ist, dass die reinen Anschaffungskosten nur einen Teil der Gesamtinvestition ausmachen. Hinzu kommen Installationskosten, möglicherweise notwendige Anpassungen am bestehenden Heizsystem sowie eventuell erforderliche bauliche Maßnahmen. Je nach individueller Situation können staatliche Förderungen die Investition jedoch erheblich reduzieren. Aktuell werden Wärmepumpen in Deutschland mit bis zu 40% der förderfähigen Kosten bezuschusst.

Bei der Wirtschaftlichkeitsbetrachtung sollten auch die laufenden Betriebskosten berücksichtigt werden. Hochtemperatur-Wärmepumpen arbeiten zwar bei hohen Vorlauftemperaturen weniger effizient als Niedertemperatur-Modelle, bieten aber im Vergleich zu fossilen Heizsystemen immer noch deutliche Einsparungen bei den Energiekosten und CO₂-Emissionen.

Hochtemperatur-Wärmepumpen: Die Zukunft der Altbausanierung

Angesichts steigender Energiepreise und ambitionierter Klimaschutzziele gewinnen Hochtemperatur-Wärmepumpen zunehmend an Bedeutung. Sie schließen eine wichtige Lücke im Markt für erneuerbare Heizsysteme, indem sie auch für Altbauten ohne umfassende energetische Sanierung eine praktikable Lösung bieten.

Die Technologie entwickelt sich kontinuierlich weiter. Neuere Modelle erreichen immer bessere Effizienzwerte auch bei hohen Vorlauftemperaturen. Zudem werden vermehrt natürliche Kältemittel wie Propan eingesetzt, die ein geringeres Treibhauspotenzial aufweisen als herkömmliche synthetische Kältemittel.

Für Eigentümer von Altbauten bieten Hochtemperatur-Wärmepumpen somit eine zukunftssichere Investition. Sie ermöglichen den Ausstieg aus fossilen Brennstoffen, ohne dass eine sofortige und kostspielige Komplettsanierung des Gebäudes erforderlich ist. Gleichzeitig bleiben alle Optionen für weitere energetische Verbesserungen in der Zukunft offen. Mit jeder Maßnahme zur Verbesserung der Gebäudehülle sinkt der benötigte Temperaturlevel, was die Effizienz der Wärmepumpe steigert und die Betriebskosten weiter reduziert.

Hochtemperatur-Wärmepumpen stellen damit eine wichtige Brückentechnologie auf dem Weg zu einem klimaneutralen Gebäudebestand dar, die besonders für den großen Bestand an älteren, noch nicht energetisch sanierten Gebäuden relevant ist.